Wie werden wir künftig essen? Die Antwort auf diese Frage braucht Menschen mit Visionen – und dem Mut, diese umzusetzen. Gemeinsam mit dem Food Campus Berlin, Deutschlands führendem Zentrum für die Zukunft der Ernährung, und dem Magazin EatSmarter, haben wir 30 Persönlichkeiten als "Changemaker 2026" ausgezeichnet. Hier stellen wir sie vor - als Countdown und ganz persönlich.

PROF. DR. CAROLYN HUTTER
Professorin und Studiengangsleiterin, DHBW Heilbronn
"MAN MUSS ANDERE ZUM MITMACHEN ANIMIEREN. WERDEN MENSCHEN GEFRAGT, OB SIE SICH AN ETWAS GUTEM BETEILIGEN WOLLEN, MACHEN DIE MEISTEN MIT."
Carolyn Hutter wurde buchstäblich in das Thema Nachhaltigkeit hineingeboren. Ihr Vater leitete die Akademie für Natur und Umweltschutz Baden-Württemberg und gründete zwei Umweltstiftungen. „Nachhaltigkeit war bei uns ein allgegenwärtiges Thema am Küchentisch,“ erklärt sie. Schon als Jugendliche sammelte Hutter durch Praktika Erfahrungen in Umweltredaktionen und studierte später Wirtschaft mit Schwerpunkt Umweltmanagement. Heute ist sie Professorin an der DHBW für BWL Food Management und sensibilisiert ihre Studierenden für Nachhaltigkeit.
"NACHHALTIGKEIT KANN NUR MIT UND NICHT GEGEN DIE WIRTSCHAFT GELINGEN."
Hutter bindet reale Unternehmen in ihre Lehre ein, damit Studierende Konzepte entwickeln, die sowohl Unternehmen als auch Gesellschaft und Planet nützen. „Nachhaltigkeit sollte immer die leichtere, einfachere Kaufentscheidung sein“, erklärt sie. Besonders am Herzen liegt ihr der neue Rahmenstudienplan, den sie gerade zusammen mit Kollegen erarbeitet. Er beinhaltet Pflichtfächer wie „Warenkunde New Food und alternative Proteine“ und fördert einen praxisnahen Zugang. Als duale Hochschule erreicht die DHBW so eine große Breite von Studierenden und Unternehmen.
Für die Zukunft der Branche hat sie klare Vorstellungen: „Nachhaltigkeit muss aus der Nische herauskommen und zu einem Mainstream-Thema werden, das alle einschließt. Veränderung gelingt durch Machen.“

FABIO ZIEMßEN
Partner, Zintinus Vorstandsmitglied, BALPro
"EINE ZUKUNFTSFÄHIGE LEBENSMITTELBRANCHE VEREINT ÖKOLOGISCHE UND ÖKONOMISCHE INTERESSEN IN EINER GEMEINSAMEN VISION."
Fabio Ziemßen ist eine Schüsselfigur in der Transformation des Lebensmittelsektors. Als Manager des Venture-Capital Fund Zintinus und Vorstandsmitglied von BALpro setzt er sich gezielt für die Förderung von FoodTech-Startups und alternativen Proteinquellen ein. Sein Fokus liegt darauf, nachhaltige Innovationen schneller skalierbar zu machen. „Wir arbeiten mit vielen Gründern und Geschäftsmodellen, die an unterschiedlichen Stellschrauben drehen, um die Branche nachhaltiger zu gestalten.“
Dabei steht für ihn nicht nur die Finanzierung im Mittelpunkt, sondern auch strategische Beratung durch Netzwerke und Expertise. „Als Impact-Investor fördern wir ausschließlich Unternehmen mit klarer Nachhaltigkeitsagenda“, erklärt Ziemßen. Ein zentraler Hebel ist für ihn der Proteinsektor: „Von Fleisch und Fisch bis hin zu Milch- und Eiprodukten – hier liegt enormes Innovationspotenzial.“
Doch es gibt auch Herausforderungen. Regulatorische Hürden und das Festhalten an bestehenden Strukturen bremsen die Transformation. Trotzdem ist er optimistisch: „Die zunehmende Regalfläche für nachhaltige Produkte zeigt, dass Handel und Konsumenten bereit sind, auf nachhaltige Trends zu reagieren.“ Seine Vision ist eine Lebensmittelbranche, die ökonomische und ökologische Interessen vereint und durch Innovationen resiliente und ressourcenschonende Lösungen schafft.

MORITZ MACK
Geschäftsführer, Mercedes-Benz Betriebsgastronomie
"TRANSFORMATION BRAUCHT ZEIT UND AKZEPTANZ, DOCH JEDE MAHLZEIT, DIE GESÜNDER UND NACHHALTIGER WIRD, IST EIN SCHRITT IN DIE RICHTIGE RICHTUNG."
Moritz Mack treibt seit 2020 als Geschäftsführer der Mercedes-Benz Gastronomie GmbH die Ernährungswende in den 22 eigenbetriebenen Kantinen voran. Sein Ziel ist ein klimaschonendes und nachhaltiges Speisenangebot, das sich größtenteils an der „Planetary Health Diet“ (PHD) orientiert. Bis Ende 2025 soll der Speiseplan überwiegend pflanzenbasiert sein. Mack sieht im Ernährungssektor, der laut Studien rund 30 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortet, einen „großen Stellhebel“. Sein Ansatz ist holistisch: „Wir wollen unseren gesamten Speiseplan gesünder, klimaschonender und nachhaltig umstellen. Jeder Schritt zählt.“ Herausforderungen wie fehlende Warenverfügbarkeit und steigende Kosten machen die Transformation jedoch komplex: „Das Zusammentreffen von sorgfältiger Planung und Realität ist herausfordernd.“
Entscheidend ist für Mack die Akzeptanz der Gäste: „Sie müssen mitziehen.“ Er setzt auf Inspiration, Information und klare Ziele, um Veränderungen attraktiv zu gestalten: „Gekocht wird mit dem Kochlöffel, nicht mit erhobenem Zeigefinger.“ Seit 2022 weist die Gastronomie die die Klimabilanz der Gerichte auf dem Speiseplan aus und arbeitet kontinuierlich an Verbesserungen. Mack ermutigt dazu, Verantwortung zu übernehmen und Vorreiter zu sein, um die Transformation des Ernährungssystems voranzutreiben.
