Logbuch

AgBots sind treue Vasallen der Landwirte

Einträge des Landtechnikers Dieter Dänzer im Jahr 2046 – der Sternzeit des Homo Sapiens.

Ob bei der Herbizidbehandlung in Sonderkulturen, der Bodenbearbeitung oder bei der Bodenanalyse als Drohne: Künstliche Intelligenz ist dem Landwirt im Jahr 2046 ein nicht wegzudenkender Helfer. Fotos: IMAGO / Photothek/Westend61/Stock & People

Die Landwirtschaft – die Landtechnik ... wir schreiben das Jahr 2046. Der Landtechniker Dieter Dänzer ist seit 1959 auf diesem Planeten unterwegs – konnte somit die Technisierung der Landwirtschaft zu weiten Teilen persönlich miterleben. Er hatte oft die Gelegenheit, in den Entwicklungszentren der Hersteller neue Maschinen und Geräte, neue Technologie zu sehen, lange bevor sie den Landwirten und Lohnunternehmern präsentiert wurden.

Mit Blick auf die Grobplanungen der Maschinen- und Robotereinsätze für das vor uns liegende Jahr schießt mir durch den Kopf, wann sich denn das vorherrschende Missverständnis über Robotik seit dem Millennium-Sprung ins dritte Jahrtausend in der Bevölkerung und damit auch bei den Landwirten – nämlich, dass diese Mitarbeiter in den Unternehmen weitgehend ersetzen können – aufgeklärt hat. Es dauerte jedenfalls lange, aber letztlich hat sich doch die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Integration von Robotern in Arbeitsprozesse immer auch deren Programmierungsanpassung, Überwachung und Wartung durch menschliche Hände beinhaltet. Die Roboter können die Menschen nachweislich nicht ersetzen, für diese jedoch vielfältig einsetzbare Werkzeuge sein. Dank derer können sie viele Aufgaben gleichzeitig präzise bewältigen.

Die Erde ist von rund zehn Milliarden Menschen bevölkert. Auf den landwirtschaftlichen Erzeugerbetrieben sorgen Künstliche Intelligenz im Zusammenspiel mit der Robotik dafür, die notwendigen Erträge zu produzieren, die erforderlich sind, um genügend Lebensmittel für alle bereitzustellen. Die zum Einsatz kommenden bildgebenden Sensoren und Satellitenbilder haben eine Qualität, wie man sie sich 2021 noch überhaupt nicht hatte vorstellen können. Wechselndes Wetter, selbst schwierige Topografie-Verhältnisse, unterschiedlichste Pflanzen- und Bodenbedingungen: Der intelligenten Robotik, die sich aus den mittlerweile jahrzehntelangen Erkenntnissen, aus Unmengen an Daten speist, ist zu verdanken, dass die Landbewirtschaftung effizienter, resilienter, ressourcenschonender und nachhaltiger als jemals zuvor erfolgt. Es scheint eine Ewigkeit her zu sein, dass über eine vertrauenswürdige und leistungsfähige In­frastruktur diskutiert wurde.

Eine bislang nicht aufgetretene Krankheit beim Hybridweizen wird identifiziert. Wir schicken Fotos von befallenen Halmen und Blätter an den Pflanzen-Doc. Innerhalb weniger Sekunden haben Algorithmen die Krankheit respektive die übertragenden Schädlinge ausfindig gemacht und wir bekommen Hinweise zur Behandlung. Flächengebundene Applikationstechniken sind schon seit mehr als einer Dekade verboten. Durch Einzelpflanzen-Spritztechnologie hat sich beispielweise der Einsatz von Herbiziden in Anbaukulturen und Brachflächen sowohl bei Tag- als auch bei Nachtanwendungen um rund 90 Prozent reduzieren lassen. Geholfen hat dabei unter anderem auch die so genannte Sprühbildanalyse, dank derer es gelungen ist, Sprühprozesse aller Art zu optimieren. Somit auch bei der von uns eingesetzten Feldspritze mit See & Spray Select-Technologie. Elektronische Teilbreitenschaltungen, sprich: Section Control sowie Variable Rate Control, sorgen dafür, dass auf allen individuellen Teilflächen ein gesunder, ertragreicher Pflanzenbestand heranwächst.

Die Fernüberwachung meldet, dass die Fraßschäden durch Mäuse und Ratten die vorgegebenen Schwellenwerte überschreiten. Es geht eine Meldung mit der ermittelten Befallsdokumentation an den professionellen externen Schädlingsbekämpfer, der nur ein paar Minuten später seine Einsatzroutenplanung angepasst hat und uns die Behandlungsdokumentation einschließlich der Rechnung digital übermittelt.

Um den Carbon Foodprint der Milch- und Mutterkühe weiter zu senken, aber gleichzeitig deren Gesundheit zu steigern, kommt unter anderem schon seit über einer Dekade eine Fütterungssoftware als Software-as-a-Service (SaaS) zum Einsatz. Dank derer ist gewährleistet, dass der Futtereinsatz über die autonom agierenden Fütterungsroboter möglichst effizient erfolgt.

Für das Bergen von Silage und Heu werden die Aufträge vom Farm Management Information System (FMIS) direkt zu den Maschinen des Lohnunternehmers überspielt. Der wiederum verfolgt die Feldarbeiten der autonom agierenden Häcksler und Pressen live von seinem Büro aus. Durch perfekt synchronisierte Prozesse liegt das Schnittgut nur so lange auf dem Feld wie unbedingt nötig, was einerseits beste Futterqualität garantiert und andererseits die Schlagkraft der Maschinen erhöht. Dadurch, dass alles digitalisiert ist, wissen die Fahrer der Lade- und Transportfahrzeuge genau, auf welchen Flächen gehäckselt wird oder wie viele bereits gepresste oder auch gewickelte Ballen dort zur Abholung bereitliegen. Da in den Häckslern NIRS-Sensoren respektive in den Pressen und Ballenwicklern Feuchtigkeitsmessgeräte und Ballenwaagen integriert sind, erhalten wir eine transparente, detaillierte Abrechnung in Echtzeit ins Büro übertragen. Möglich macht dies vor allem Edge-Computing, sprich: die Datenverarbeitung direkt vor Ort durch in den Landmaschinen eingebettete Systeme aus Hardware und darauf abgestimmter Software einschließlich Funk-Kommunikation. Sogar bei begrenzten Kapazitäten an Raum und Energie, unter rauen Bedingungen und zudem auch bei nach wie vor schlechter oder instabiler Verfügbarkeit von Mobilfunknetzen erfolgt die sensorbasierte, durch KI-unterstützte Steuerung von Aggregaten und Maschinen. Dabei ist auf Basis der Steuerungsinformationen eine Reaktion der Maschine innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde gewährleistet.

Nachdem die autonom agierenden Mähdrescher die Getreideflächen abgeerntet haben, werden mit dem FarmLab, sprich: der Sensortechnologie für eine laborunabhängige Bodenanalyse, von allen Flächen Bodenproben vor Ort analysiert. Die Ertrags- und Nähstoffkarten werden per Cloud-Technologie in das FMIS übertragen.

Die Vermarktung der Ernteerzeugnisse erfolgt über Handelsplattformen. Mithilfe derer können wir als Landwirt eng verzahnt mit den Landhändlern und den Industrieunternehmen die Ware bestmöglich handeln, das heißt regionale Strukturnachteile egalisieren. Gleiches gilt im Übrigen auch für den Einkauf von allen benötigten Produkten einschließlich der Futtermittel, Ersatzteile für Landmaschinen, Saatgut, Tierzucht, Dünge- und Pflanzenschutzmittel sowie der Betriebsmittel. Die Nutzung von Agrar-Onlineshops spart nicht nur die zeitaufwendige Suche bei verschiedenen Händlern, sondern auch die nicht unerheblichen Kaufnebenkosten, die durch die Abholung und den Bestellvorgang sonst anfallen würden.