Steuern und steuern lassen

Ein Marktüberblick der Autosteer-Lösungen

VON ANDI NERKAMP

Die Lösung Marquee von Hexagon ist Isobus-kompatibel. Foto: Hersteller

Vor rund 25 Jahren war Australien die Geburtsstätte für Autosteer-Systeme. Autosteer, auch Autolenkung oder Autopilot genannt, wurde erstmals von den australischen Landwirten Mike und Robert Mailler entwickelt.

Die beiden Tüftler begannen 1997 mit dem Einsatz ihres universal gesteuerten Lenksystems. Das Ergebnis: eine Produktionssteigerung von 40 Prozent. Daraufhin starteten die Maillers Herstellung und Vermarktung ihrer Autosteer-Technologien als Beeline-Technologies. Nach Angaben der Grains Research and Development Corporation (GRDC) kostete die Vorserie des Beeline Arro Autosteer-Systems, das in zwei John-Deere- 9400-Traktoren der Maillers eingebaut wurde, im Jahr 2000 jeweils 40.000 australische Dollar plus 15.000 Dollar für eine universelle Basisstation. Doch obwohl heutzutage fast jeder Traktorhersteller werkseitig eingebaute elektrische oder hydraulische Autolenkungssysteme anbietet, gibt es immer noch eine große Anzahl von Nachrüstungsanbietern, aus denen man wählen kann.

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Produktionssteigerung von 40 Prozent

Die Systeme haben eine Preisspanne von 200 bis 16.000€. Der niedrigste Preis gilt für eine Softwarelizenz der spanischen Firma Cerea, die für „selbstgebaute“ (elektrische) Autosteer-Systeme bestimmt ist. Das günstigste „schlüsselfertige“ System wird ebenfalls von Cerea mit 4.670€ angeboten. Das teuerste System stammt von Ag Leader und kostet 16.000€. Im Durchschnitt liegen die Einstiegspreise sowohl für elektrische als auch für hydraulische Autolenkungssysteme derzeit zwischen 7.000 und 9000€. Und es sind nicht nur die Preise, die gesunken sind. Heutzutage können Sie die Autosteer-Technologie bereits ab einer Geschwindigkeit von 0,07 km/h nutzen, das sind 70 Meter pro Stunde. Einige Hersteller bieten sogar die Möglichkeit, die Autolenkung aus dem Stillstand heraus zu aktivieren. Die möglichen Höchstgeschwindigkeiten haben sich ebenfalls erhöht und liegen jetzt bei unglaublichen 48 km/h.

Weltweit existieren rund 15 Anbieter

Die Navigation begann mit dem amerikanischen Global Positioning System (GPS). Heute existieren global fünf Satellitensysteme, die für die Navigation und Autosteer relevant sind:

  • NAVSTAR GPS (Global Positioning System) der USA,
  • Galileo der Europäischen Union,
  • QZSS (Quasi-Zenit-Satelliten-System), ein im Aufbau befindliches japanisches Satellitensystem, das bestehende globale Navigationssatellitensysteme mit dem Korrekturdatendienst RTK, speziell GPS, ablösen soll,
  • Beidou der Volksrepublik China und
  • (Globales Satellitennavigationssystem) der Russischen Föderation.

Aber es gibt noch weitere technische Entwicklungen, von denen Landwirte profitieren können. Dazu gehören Isobus-Kompatibilität, die für die Kommunikation der einzelnen Geräte sorgt, und standardisierte Datenaustauschformate, die es erlauben, Daten zu analysieren, sowie automatisches Wenden am Vorgewende und Lösungen zum „Überleben“ bei vorübergehendem Ausfall von Korrektur- oder Satellitensignalen. Die Lösungen arbeiten auch immer differenzierter: Und wenn man etwa eine Anhängespritze oder eine selbstfahrende Spritze betreibt, kann die maximale Anzahl der bedienbaren Abschnitte bei vielen Lösungen jetzt bis zu 255 betragen.

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