Der kleine Stromer aus Marktoberdorf

Fendt will mit seinem ersten rein elektrisch angetriebenen Traktor nun in Serienproduktion gehen

VON ANDI NERKAMP

e100 Vario: Power für vier Stunden. Foto: Fendt

Nach rund fünf Jahren scheint es diesen Monat endlich so weit: Christoph Gröblinghoff, Vorsitzender der Agco/Fendt-Geschäftsführung, verkündete vor Vertretern der Fachmedien, dass der elektrisch angetriebene Schlepper e100-Vario nun in die Serienfertigung gehe: „Der Fendt e100 Vario wird – sowohl in der Variante S als auch V – 2024 in die Serienproduktion gehen.“ Gebaut werde in Marktoberdorf im Allgäu.

Fünf Jahre nur als Prototyp existiert

Zur Erinnerung: Im Jahr 2017 wurde das Konzept als Prototyp zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Ab und zu wurden Features und Updates ergänzt. Jetzt soll es losgehen. Denn die Nachfrage nach einem vollelektrischen Fendt, so Gröblinghoff, komme nicht allein aus dem kommunalen Bereich, wo „öffentliche Rasenflächen mit ökologischem Fußabdruck gepflegt“ werden sollen. Auch Wein- und Gemüsebaubetriebe hätten starkes Interesse geäußert. Es kämen Anfragen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus skandinavischen Ländern und aus Kalifornien. Das Interesse an elektrischen Maschinen hat in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Immer mehr Geräte, die bislang mit Verbrennern angetrieben wurden, kommen allmählich mit einem Elektroantrieb auf den Markt. Es existiert kaum ein Hersteller mehr, der sich für die Zukunft ausschließlich auf Verbrenner verlassen möchte und keine eigenen Elektro-Lösungen entwickeln würde. Der Fendt e100 bietet 50 kW Antriebsleistung. Der Akku verfügt über eine Kapazität von 100 kWh und basiert auf 700-Volt-Technologie. Eine Batterieladung soll für rund vier Stunden Arbeitseinsatz reichen. Geladen wird der Fendt 100e Vario an einer genormten 23-kW-CCS-Steckdose oder alternativ an Super-Chargern mit Gleichstrom. Um den Vario am Hof zu laden, brauchen Nutzer eine Wallbox, die an Drehstrom angeschlossen wird. Die Batterie im Fendt e100 Vario wiegt 600 kg und hat ein Volumen von 0,3 m³. Noch kann man den Traktor nicht vorbestellen. Auch der Produktkonfigurator auf der Website von Fendt zeigt das Fahrzeug noch nicht. Was der kleine Stromer kosten soll, darüber schweigt sich Fendt bislang ebenfalls aus. Bisher seien batterie-elektrisch angetriebene Traktoren teurer als Dieseltraktoren, erklärt ein Unternehmenssprecher. Das soll sich erst dann ändern, wenn sich die Batteriepreise verringern. Bei Fendt rechnet man mit einer solchen Entwicklung. Allgemein zeigt man sich noch verhalten – auch was TCO (Total Cost of Ownership) angeht: „Berechnet auf die Lebenskosten kann ich mir vorstellen, dass ein batterieelektrischer Traktor günstiger ist“, zitiert agrarheute den „Director Premium Tractor Platform“ bei Fendt, Leo von Stillfried. Auch über Elektrotraktoren mit mehr als 90 bis 95 PS Leistung denke man bei Fendt nach, verriet Gröblinghoff. Derzeit würde man untersuchen, ob auch eine Elektrifizierung über 150 oder 180 PS möglich sei, jeweils für einen mindestens vier bis sechsstündigen Einsatz. Damit würde Fendt ein neues Segment im Traktorenmarkt eröffnen, denn bisherige Produkte liegen in der Leistung deutlich darunter. Entwickelt sich der Ölpreis allerdings weiter wie bisher und sorgen Krisen wie die in der Ukraine und Russland für weitere Preisanstiege, von denen natürlich auch Agrardiesel betroffen ist, wandern die Lebenskosten in immer attraktivere Bereiche.

Wegfallende Förderung kompensieren

Hinzu kommt: Ab 2023 fallen erste Photovoltaik-Anlagen aus der EEG-Förderung. Damit wird die Option, über die eigene Photovoltaik-Anlage den eigenen elektrischen „Sprit“ zu produzieren, immer relevanter. Auch wenn Photovoltaik-Anlagen ebenfalls altern und damit Kosten verursachen: So müssen doch alle fünf bis acht Jahre etwa Wechselrichter ausgetauscht werden.

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Produktüberblick: Reine Elektro-Traktoren

Farmtrac 25G

Erster elektrischer Rasentraktor auf dem europäischen Traktormarkt. Die 15-kW- Batterie ist auf eine Arbeitsdauer von acht Stunden ausgelegt.

Fendt e100 Vario

Kleiner Traktor mit 50 kW Antriebsleistung. Der Akku mit 100 kWh liefert Strom für rund vier Stunden Arbeitseinsatz. Produktionsbeginn erst im Jahr 2024.

Monarch

Etwa 48 kW leistet der Antrieb maximal, die Dauerleistung liegt um 37 kW. Über zehn Stunden soll eine Batterieladung reichen. In den USA seit 2021 erhältlich.

Solectrac e70N

Erster elektrischer Rasentraktor auf dem europäischen Traktormarkt. Die 15-kW- Batterie ist auf eine Arbeitsdauer von acht Stunden ausgelegt.

Rigitrac SKE 40 E

Traktor mit vier Elektromotoren von 33 kW für jeweils jede Achse, Zapfwelle, Hydraulik-Pumpe. Nennleistung 50 kW, Akku 80 kWh, sechs Arbeitsstunden.

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