Pflanzenbauhinweise

Zuckerrüben

Zuckerrüben – Die Düngeverordnung ist das kleinste Problem!

Gerrit Hogrefe, N.U. Agrar GmbH

Die Zuckerrübenanbauer kämpfen derzeit an vielen Fronten. Dabei sind die Auswirkungen der DüV derzeit nur ein Nebenkriegsschauplatz. Auf der politischen Ebene gilt es vorrangig die Wettbewerbsverzerrungen durch gekoppelte Zahlungen in EU-Nachbarländern zu beseitigen sowie weiteren Wirkstoffverlust von Zulassungsseite zu verhindern. Und das sind noch nicht mal die aussichtlosesten Gefechte. Wie dem steigendem Anbaurisiko durch die Zunahme von Extremwettersituationen wie langanhaltender Trockenheit und deren Folgen begegnet werden kann, weiß derzeit niemand.

Ausgangssituation für 2021

Für die sandigen Standorte scheint die Antwort nach zwei Dürresommern zunächst klar: Künstliche Bewässerung muss das Niederschlagsdefizit in solchen Jahren ausgleichen. Allerdings bleibt bei der derzeitigen Preislage fraglich, ob diese Investition letztlich auch wirtschaftlich ist und die höheren Erträge nicht durch den Kostenanstieg kompensiert werden – und dass trotz der vermeintlich hohen Beregnungswürdigkeit der Rübe. Ein zunehmendes Problem der vergangenen Jahre wäre durch Beregnung jedoch sicher in den Griff zu bekommen: Die Rübenmotte.

Wie wirkt sich die neue DüV auf die Zuckerrübe aus?

Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben können zweifelsohne als die Gewinner der DüV bezeichnet werden. Die Sommerblattfrüchte stehen das ganze „Mineralisationsjahr“ im Feld und erreichen so eine hohe Ausnutzung des aus dem Boden nachgelieferten Stickstoffs (Nmob). Die veranschlagten Bedarfswerte werden in der Praxis deshalb nur selten voll ausgeschöpft. Im Vergleich zu Kartoffel und Mais ist der Spielraum in der Rübe aber aufgrund ihrer frühen Saat und der potentiell späten Ernte besonders groß.

Wieviel Stickstoff braucht die Zuckerrübe?

Der N-Bedarf der Zuckerrübe kann analog zu anderen Kulturen aus folgenden Komponenten zusammengesetzt werden:

  1. dem N-Entzug durch den Rübenkörper,
  2. dem N-Gehalt des Rübenblattes,
  3. und dem „Residual-N“, der nicht aus dem Boden entzogen werden kann.

Für die praktischen Belange hat sich für die Berechnung des N-Entzugs des Rübenkörpers die Multiplikation des Rübenertrages mit dem Faktor 1,5 bewährt. Der N-Gehalt des Blattapparates wird durch die Formel „Anzahl Rüben pro qm x 8“ abgebildet. Der Residual-N ist abhängig von Bodenart und Zustand des Bodens (Bodenfeuchte) und schwankt zwischen 30 und 70 kg/ha N.

Der errechnete Bedarf liegt meist oberhalb der DüV, wird aber in aller Regel durch die zusätzlichen Abschläge (Nmob) überkompensiert. In der Konsequenz bedeutet dies, dass selbst in „Roten Gebieten“ ein erfolgreicher Rübenanbau ohne Ertragsabschlag möglich bleibt, vor allem bei später Rodung.

Standortabhängige N-Düngung zu Zuckerrüben

Die Standorte in Tabelle 2 unterscheiden sich hinsichtlich der Bodengüte und der klimatischen Verhältnisse. Daraus leiten sich die abweichenden Ertragsziele ab. Für den Standort Uelzen ist die Beregnungsmöglichkeit in das Ertragsziel einbezogen worden.

Da in der Praxis häufig nicht einmal die hier errechneten N-Bedarfe benötigt werden, bietet es sich an 70% des kalkulierten Bedarfs vor der Saat zu applizieren. Entscheidend ist dabei, dass zum Auflaufen der Rübe eine ausreichende Nitratkonzentration im Oberboden vorherrscht, um eine frühzeitig hohe N-Aufnahme über den Transpirationsstrom zu garantieren.

Sofern Pflanzenanalysen im weiteren Verlauf der Vegetation einen N-Bedarf ausweisen, kann dieser über AHL-Zugaben zu den Fungizid- oder Mikronährstoffspritzungen abgedeckt werden.

Vorsicht: Eine überhöhte N-Düngung zu Zuckerrüben führt zur Verschiebung des Rübe-Blatt-Verhältnisses zu Gunsten des Blattes. Unproduktive Verdunstung im Sommer und unnötige Veratmungsverluste an bedeckten Herbsttagen nehmen damit zu. Oft sind deshalb sogar Mindererträge die Folge.

Ausblick

Die Zuckerrübe hat derzeit einen schweren Stand. Die zahlreichen phytosanitären Probleme werden vor allem im Süden Anbauanteile kosten. Mittelfristig wird auch der Norden betroffen sein. Dabei dürfte die für die Rübe sehr positive Ausgestaltung der DüV stabilisierend wirken. Denn kaum eine andere Kultur weist eine solch geringe „N-Elastizität“ hinsichtlich ihres primären Produktionsziels (BZE) aus wie die Zuckerrübe. Am Ende könnte die DüV damit die Rübe retten.

VERMARKTUNG

Zuckerpreis nimmt wieder Fahrt auf