Pflanzenbauhinweise

Winterroggen

Winterroggen – Alle Zeichen stehen auf grün!

Gerrit Hogrefe, N.U. Agrar GmbH

Im Winterroggen hat in den vergangenen Jahren zweifelsohne der größte Züchtungsfortschritt unter den Wintergetreidearten stattgefunden. Mittlerweile liegen moderne Sorten nicht nur auf traditionellen Roggenstandorten an der Ertragsspitze. Auch auf besseren Böden überflügeln sie den „Platzhirsch“ Winterweizen. Einer stärkeren Anbauausdehnung steht also nur noch die Vermarktung und damit die derzeitige Preissituation im Wege. Mit den positiven Ergebnissen aus der Schweinefütterung scheint sich aber auch hier eine neue Tür aufzutun. Und auch in der Humanernährung könnten neue, standfeste Sorten, die ohne Wachstumsregler auskommen, einen neuen Markt öffnen.

Ausgangssituation für 2021

Die Dürrejahre 2018 und 2019 sind auch an dem vermeintlichen Trockenkünstler Roggen nicht spurlos vorübergegangen. Das ist auch kaum verwunderlich, wenn man berücksichtigt, dass der Roggen fast ausschließlich auf leichten Böden angebaut wird, die über nur geringe nutzbare Feldkapazitäten verfügen und deshalb nicht in der Lage sind lang andauernde Trockenperioden zu überstehen. Da hilft auch der geringe Transpirationskoeffizient des Roggens nicht mehr, denn „leer ist leer“.

Wie wirkt sich die neue DüV auf den Roggen aus?

Roggen zeichnet sich durch sein ausgeprägtes Wurzelwachstum aus, dass insbesondere bei früher Aussaat eine intensive Durchwurzelung von Krume und angrenzendem Unterboden ermöglicht. Damit einher geht ein hohes Aneignungsvermögen für gedüngte und mineralisierte Nährstoffe. Die Nutzungseffizienz ist hoch. Damit erfüllt der Roggen alle Voraussetzungen, um unter den Bedingungen der neuen DüV zu bestehen.

Wieviel Stickstoff braucht der Roggen?

Der N-Bedarf des Roggens setzt sich zusammen aus:

  1. dem N-Entzug des Korns,
  2. dem N-Gehalt von Stroh und Wurzel,
  3. und dem „Residual-N“, der nicht aus dem Boden aufgenommen werden kann.

Ein Roggenbestand mit 70 dt/ha Kornertrag und 50 dt/ha Strohertrag benötigt auf einem typischen Roggenboden (lS, 30 BP) ca. 200 kg/ha N. Davon werden rund 110 kg/ha N (70 dt/ha x 1,6) mit dem Korn exportiert, 50 kg/ha N befinden sich in Stroh, Stoppel und Wurzel. Die übrigen 40 kg/ha N können nicht entzogen werden und verbleiben als Residual-N im Boden.

Auch Roggen profitiert von Vorfrüchten mit hoher N-Nachlieferung. Eine solche Konstellation erleichtert die Einhaltung der DüV ungemein. Selbst in „Roten Gebieten“, in denen zusätzlich 20 % des Ausgangsbedarfs abzogen werden müssen, kann bei Rapsvorfrucht noch der angestrebte Ertrag erzielt werden.

Nach Mais oder Getreide hingegen wird in „Roten Gebieten“ die verfügbare N-Menge ertragsbegrenzend wirken. Hier geht es dem Roggen ähnlich wie den restlichen Getreidearten.

Standortabhängige N-Düngung in Winterroggen

Die Standorte in Tabelle 2 unterscheiden sich hinsichtlich der Bodengüte und der klimatischen Verhältnisse. Daraus leiten sich die abweichenden Ertragsziele ab. Unter optimalen Bedingungen steht der Erreichung der standortspezifischen Ertragsziele nichts im Wege. Vielmehr bleibt bei nachlieferungsstarken Vorfrüchten noch ein beträchtlicher Puffer.

Die pflanzenbaulich hergeleiteten N-Niveaus mögen zu gering erscheinen, da sie deutlich unter den bisher in der Praxis aufgebrachten Düngemengen rangieren. Dagegen sprechen überregionale Beobachtungen aus vielen Praxisbeständen, die N-Luxuskonsum belegen. Dieser äußert sich in frühen Wachstumsstadien vor allem in einer hohen Anfälligkeit für obligate Parasiten wie Mehltau und Rost aber auch Halmbruch, der im Roggen zu häufig unentdeckt bleibt und deshalb unterschätzt wird. Ein Indiz für zeitweise Überversorgung mit (Nitrat-) Stickstoff ist starker Befall mit diesen Krankheiten trotz guter Resistenzeigenschaften der angebauten Sorte.

Zur Ernte offenbart sich eine zu hohe N-Versorgung des Bestandes in noch grünem Stroh bei bereits erreichter Kornreife. Das erschwert nicht nur den Drusch, sondern kostet auch Kornertrag. Unabgereiftes Stroh ist ein sicheres Anzeichen für eine gestörte Umverlagerung von Assimilaten, infolge von seneszenzverzögernden Maßnahmen wie zu hoher N-Düngung oder Applikation spezieller Pflanzenschutzmittel (vor allem Strobilurine und Carboxamide).

Ausblick

Der Roggen wird sehr wahrscheinlich als Profiteur einer restriktiveren Düngung hervorgehen. Eine Anbauausdehnung ist also nicht nur auf-grund der stetig steigenden Ertragsleistung dieser Kultur zu erwarten, sondern auch getrieben durch politische Veränderungen (neben der DüV auch die schwindende Wirkstoffvielfalt am Pflanzenschutzmarkt). Es bleibt zu hoffen, dass die Absatzwege mit dem „Mehr an Roggen“ Schritt halten können.

VERMARKTUNG

Roggenanbau setzt positiven Trend fort

Der positive Trend, der sich seit diesem Jahr beim Roggen einstellt, hält an. Nachdem die Anbaufläche zwischen den Erntejahren 2013 und 2018 stetig zurückging, haben Landwirte zur Ernte 2020 rund 634.000 ha mit Roggen bestellt. Im sechsjährigen Vergleich ist das ein Zuwachs von 8 Prozent.