Pflanzenbauhinweise

Winterraps

Raps – Vom Überflieger zum Sorgenkind?

Prof. Dr. Hansgeorg Schönberger, N.U. Agrar GmbH

Winterraps hat sich in wenigen Jahren vom Überflieger zum Sorgenkind entwickelt. Das liegt weniger am Klimawandel, der für den Rapsanbau bei uns mehr Vor- als Nachteile mit sich bringt, als vielmehr an der Anbauhäufigkeit und Anbaudichte in der Region, der häufig stark reduzierten Bodenbearbeitung und in den Beschränkungen durch die Düngeverordnung, den Wegfall von Insektiziden und die Auflagen beim Einsatz von Herbiziden.

Winterraps war als einzige ertragssichere Winterblattfrucht jahrzehntelang die tragende Kultur, vor allem im Norden und Nordosten. Innerhalb weniger Jahre ging der Anbau von 1,5 Mio. Hektar auf weniger als 900.000 Hektar zurück, das Resultat der seit 2014 abnehmenden Erträge und der einschneidenden Auflagen im Raps. Dafür nahm der Anbau von Mais und Getreide, auch von Leguminosen, im Süden vor allem mit Soja, zu. Selbst in Schleswig-Holstein wird inzwischen mehr Silomais als Raps angebaut. In den letzten beiden Jahren stiegen die Rapserträge wieder an. Das war eine Folge des Witterungsverlaufes, aber auch das Ergebnis des Lernprozesses der Landwirte, die den Rapsanbau einschränkten, sich mit der um eine Woche späteren Aussaat auf das längere Wachstum im Herbst einstellten und damit auch dem Schädlingsdruck aus dem Weg gingen. Mit der Aussaat TuYV-resistenter Sorten konnte das Risiko der Übertragung des Wasserrübenvirus durch Blattläuse eingeschränkt werden, nachdem die Neonicotinoid-Beize verboten wurde. Vor allem aber nutzen die meisten Landwirte die zur Verfügung stehende Zeit für einen weiteren Bearbeitungsgang, um den Ausfallrapsanteil zu reduzieren.

Ausgangssituation für 2021

Die Raps lief im Herbst 2020 in der Regel gut und gleichmäßig auf. Die Mehrzahl der Rapsbestände haben Ende September das 4- bis 6-Blattstadium erreicht und werden vor Winter wenigstens 10 meist sogar 12 Blätter je Pflanze bilden können. Aufgrund der hohen Nmin-Vorräte im Boden und der hohen Stickstoffnachlieferung infolge der Sommergare dürfte der Raps in diesem Jahr vor Winter nicht unter Stickstoffmangel leiden und deshalb stabile Knospen bilden. Damit sind für das kommende Jahr gute Voraussetzungen für hohe Erträge gegeben. Diese gilt es zu nutzen:

Wie wirkt sich die neue DüV auf den Raps aus?

Die Düngeverordnung 2020 enthält weitere Restriktionen, die sich empfindlich auswirken werden. Die gravierendsten Einschränkungen sind:

  1. Die Herbstdüngung zu Winterraps muss bei der N-Bedarfsermittlung im Frühjahr voll berücksichtigt werden. Die N-Düngung im Herbst ist auf maximal 30 kg/ha NH4-N bzw. 60 kg/ha Gesamt-N begrenzt. Die N-Ausgleichsdüngung zur Strohrotte ist nicht mehr zulässig.
  2. Die Ausbringung von N- und P-haltigen Düngemitteln ist auf gefrorenen Böden nicht mehr zulässig.
  3. Ist aufgrund von ungünstiger Witterung im Frühjahr mit N-Verlusten zu rechnen, darf der Düngebedarf nachträglich nur um maximal 10 % erhöht werden.
  4. In „Roten Gebieten“ darf im Herbst kein Stickstoff gedüngt werden. Ausnahme: im Boden werden nach der Ernte nicht mehr als 45 kg/ha Nmin gemessen. Insgesamt dürfen nur 80 % des errechneten N-Düngebedarfes ausgebracht werden.

Wie viel Stickstoff braucht der Raps im Herbst?

Raps nimmt im Herbst je nach Entwicklung und Pflanzenzahl zwischen 50 und 150 kg/ha N auf – optimal sind 80 bis 110 kg/ha N, bzw. 80 bis 110 g/m² N, die in 30 bis 40 Rapspflanzen mit 10 bis 12 Blättern je Pflanze enthalten sind. Zusätzlich muss der Stickstoffbedarf für die Strohrotte berücksichtig werden, ca. 50 kg/ha N. Insgesamt hat der Raps im Herbst einen Stickstoffbedarf von 130 bis 160 kg/ha N. Davon muss der Stickstoffüberhang der Vorfrucht (50 kg/ha N) und die Freisetzung von 30 kg/ha N (sL, 60 BP) aus dem Boden abgezogen werden. Daraus ergibt sich ein Düngungsbedarf von 50 bis 80 kg/ha N. Der Düngungsbedarf ist umso höher, je üppiger sich der Raps im Herbst entwickelt. Ist das Stickstoffangebot im Herbst gedeckelt, darf nicht zu früh gesät werden.

N-Aufnahme im Herbst berücksichtigen

Raps nimmt vor Winter sehr unterschiedliche Mengen an Stickstoff auf, die bei der Ermittlung des Düngungsbedarfes berücksichtigt wer-den müssen. Wie viel Stickstoff der Raps bereist aufgenommen hat, können Sie auf verschiedene Weise ermitteln:

  1. Ermittlung der gebildeten Trockenmasse und Messung des N-Gehaltes
  2. Wiegen der Frischmasche (kg/m²) und ausmultiplizieren mit einem Umrechnungsfaktor
  3. Abscannen mit Hilfe des N-Sensors
  4. Abschätzen der N-Aufnahme anhand der Bestandesentwicklung, Bestandesdichte und N-Versorgung

Für die Belange der Praxis reicht es, die N-Aufnahme anhand der Bestandesentwicklung zu schätzen. Ein normal dichter Rapsbestand mit 10 Blättern je Pflanze hat 80 kg/ha N aufgenommen, mit 12 Blättern 110 kg/ha N. Bei erkennbarem N-Mangel werden 70 % der N-Aufnahme angesetzt. Der bereits aufgenommene Stickstoff wird vom N-Bedarfswert abgezogen. Damit erhalten wir den N-Bedarf im Frühjahr. Vom N-Bedarf im Frühjahr wird das Stickstoffangebot aus dem Boden abgezogen, daraus errechnet sich der N-Düngungsbedarf. Anders als die Düngeverordnung wird bei dieser Berechnung auch die Entwicklung des Rapses vor Winter und die Bodenart sowie die spätere N-Freisetzung aus dem Boden berücksichtigt.

Wie viel Stickstoff braucht der Raps im Frühjahr?

Der N-Bedarf des Winterraps im Frühjahr setzt sich zusammen aus:

  1. dem N-Entzug der Rapssamen,
  2. dem N-Gehalt von Spross (Stängel, Blätter, Schotenwände) und Wurzel,
  3. und dem „Residual-N“, der im Boden verbleibt.

Rapssamen haben einen durchschnittlichen Proteingehalt von 23 %. Umgerechnet ergibt das 3,34 kg N je dt Rapssamen. Bei 40 dt/ha Samenertrag sind das 134 kg/ha N, die mit dem Korn abgefahren werden. Die N-Aufnahme in Spross und Wurzel beträgt bei einem Kornertrag von 40 dt/ha ca. 100 kg/ha N. Insgesamt muss dieser Raps 234 kg/ha N aufnehmen. Dazu muss der Residual-Stickstoff im Boden berücksichtig werden. Nach der Rapsernte verbleiben im Boden zwischen 40 (auf sandigen Böden) und 80 kg/ha N (auf tonigen Böden in Trockengebieten), die der Raps nicht nutzen kann. Dieser Rest-Stickstoff muss zur N-Auf-nahme dazu gerechnet werden. Diese durch die Bindigkeit des Bodens bedingten Unterschiede werden durch die DüV nicht berücksichtigt. N-Aufnahmebedarf und Residual-N ergeben zusammen den N-Bedarf in Abhängigkeit vom Ertragsniveau und von der Bodenart.

Standort- und bestandesabhängige N-Düngung zu Winterraps im Frühjahr 2021

Die Düngungsbeispiele wurden für Rapsbestände mit wenigstens 10 Blätter je Pflanze vor Winter errechnet. Bei einer üppigeren Entwicklung muss die höhere N-Aufnahme, aber auch der eventuell niedrigere Nmin-Vorrat berücksichtigt werden.

VERMARKTUNG

Raps gewinnt wieder an Attraktivität

Erstmals seit drei Jahren könnten die Anbauflächen von Raps zur Ernte 2021 wieder die Millionenmarke knacken. In Deutschland würde eine Anbaufläche von 1,0 bis 1,1 Mio. ha einer Zunahme um 5 bis 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entsprechen.

Ausblick

Die Düngeverordnung erlaubt nicht mehr, Fehler im Anbau durch höheren Stickstoffaufwand zu kompensieren. Um gravierende Er-tragseinbußen zu vermeiden, muss der Rapsanbau insgesamt auf den Prüfstand gestellt und neugestaltet werden Dazu gehört, die Rapsfruchtfolge von 3 auf 5 Jahre Anbauabstand von Raps umzustellen, Bodenbearbeitung und Bodenstruktur den Bedürfnissen des Rapses anzupassen, den Kalkzustand des Bodens in einem günstigen Bereich zu halten und die Versorgung mit Grundnährstoffen zu sichern sowie Saattermin und Rapsbestand optimal zu gestalten.