Pflanzenbauhinweise

Mais

Mais profitiert durch den Klimawandel

Prof. Dr. Hansgeorg Schönberger, N.U. Agrar GmbH

Höhere Temperaturen und CO2-Gehalte in der Luft lassen den Mais zum Gewinner des Klimawandels werden. Mais kommt mit wenig Wasser aus und leidet deshalb auch weniger unter Trockenheit. Der Mais ist auch im Hinblick auf Klima- und Umweltschutz besser als sein Ruf: Im Sommer bleiben Mais- und Zuckerrübenschläge 2 bis 3 Monate länger grün als andere Felder. Über Mais und Zuckerrüben ist der Temperaturanstieg wie über dem Wald im Vergleich zu den abgeernteten braunen Feldern weniger stark. Der Mais legt in dieser Zeit sogar mehr CO₂ fest als der Wald, speichert Feuchtigkeit und verhindert durch das Blätterdach die Verschlämmung und den Abtrag von Boden durch Starkregen. Diese Leistung bringt keine andere Kulturpflanze.

Die Maiserträge sind in den letzten 30 Jahren trotz der Ausweitung des Anbaus auf Grenzstandorte kontinuierlich gestiegen. Im Vorjahr brachen allerdings auch die Maiserträge infolge der Sommertrockenheit ein. Mit Frühjahrstrockenheit kommt Mais besser zurecht als alle anderen Kulturen.

Ausgangssituation für 2021

Wie das Wetter im kommenden Jahr wird, lässt sich nicht vorhersa-gen. Da Mais aber überwiegend nach Gründüngung angebaut wird, sind schon die ersten Weichen gestellt, wenn die Zwischenfrüchte gut in die Erde kamen und gleichmäßig aufliefen. Das war größtenteils der Fall. Als Folge der Sommergare ist der Feinerdeanteil im Boden hoch, sodass gute Voraussetzungen für die Wurzelbildung des Mais im Frühjahr gewährleistet sind. Im kommenden Frühjahr ist deshalb auch mit einer hohen N-Nachlieferung aus dem Boden zu rechnen. Das Nachlieferungspotenzial bleibt erhalten, selbst wenn der Winter noch nass werden sollte, weil die meisten Böden das Niederschlagswasser gut aufnehmen können.

Voraussetzungen für hohe Maiserträge

  • Mais reagiert aufgrund seiner dicken Wurzeln empfindlich auf Bodenverdichtungen in der Krume (0 bis 40 cm), wo sich die Masse der Wurzeln befindet. Für das Auflockern und Rückverfestigen von Verdichtungen stand genug Zeit zur Verfügung.
  • Ein hoher Feinerdeanteil ist nicht nur für einen gleichmäßigen Feldaufgang notwendig, sondern auch für die spätere Bewurzelung. Während für andere Kulturen eine gute Rückverfestigung des gelockerten Bodens von Vorteil ist, ist ein zu fester Boden Gift für die dicke Maiswurzel. Ein hoher Feinerdeanteil bringt dagegen mehrere Vorteile:
  • Der enge Kontakt zwischen Saatkorn und Boden sichert bei Trockenheit einen schnellen und gleichmäßigen Auflauf.
  • Der Kontakt zwischen Wurzel und Boden dient der Feinwurzelbildung.
  • Der Nährstofffluss und die Diffusion von Nährstoffen zwischen nährstoffhaltigen Bodenpartikeln oder Düngerkörnern zur Maiswurzel ist bei höherem Feinerdeanteil leichter und länger möglich. Dadurch ist eine ausreichend hohe Nährstoffaufnahme auch bei Trockenheit gewährleistet.
  • Verzettelter, ungleichmäßiger Feldaufgang ist die häufigste Ursache für schlechte Maiserträge. Verspätet aufgelaufene Pflanzen werden beschattet und leiden unter Lichtmangel.
  • Die Lebensdauer von Wurzeln der Maispflanzen entscheidet endgültig über das Ertragspotenzial des Maisbestandes. Die Feinwurzeln im Oberboden beginnen ab der Blüte abzusterben. Gelingt es diese länger am Leben zu erhalten, steigt der Kolbenertrag: Je besser die Belichtung der unteren 6 bis 7 Blätter unterhalb des Kolbens ist, umso länger leben die Feinwurzeln in der Krume. Diese Blätter liefern die notwendigen Assimilate für die Wurzeln, die wiederum die Phytohormone produzieren. Wenn durch schlechte Belichtung (z.B. durch zu hohe Bestandesdichte oder in engen Reihen) die Wurzeln nicht genügend Assimilate aus den unteren Blättern erhalten, sterben sie vorzeitig ab.
  • Unterfußdüngung Mais hat anfangs aufgrund seiner groben Wurzel ein sehr schlechtes Nährstoffaneignungsvermögen. Deshalb reagiert er stark auf die Unterfußdüngung, vor allem mit Phosphor, auch auf Standorten mit ausreichender Phosphorversorgung. Insbesondere bei trockener oder nasskalter Witterung wirkt sich deshalb die Unterfußdüngung fast immer positiv aus. Allerdings sollte nicht der gesamte Phosphorbedarf in einem Düngerband abgelegt werden, weil die Wurzeln dann dort konzentriert bleiben und wenig Lust verspüren, zur Seite und in die Tiefe zu wachsen. Dadurch wird Wurzelraum verschenkt.

Wie wirkt sich die neue DüV beim Mais aus?

Der Mais ist durch die DüV betroffen durch:

  • die Begrenzung der Gülleausbringung zu Zwischenfrüchten imHerbst, dadurch ist es nicht mehr möglich auf schwach versorgten Böden einen wirksamen organischen Phosphorpool im Boden zu schaffen. In „roten Gebieten“ ist die Gülleausbringung zu den Zwischenfrüchten im Herbst generell nicht mehr möglich.
  • Die Einschränkung der Gülleausbringung durch die Einarbeitungspflicht im Frühjahr.
  • Die Vorgaben der DüV zur Höhe der Stickstoffdüngung bedeuten für den Mais keine gravierende Einschränkung, wenn die Bodenstruktur in Ordnung ist. Selbst mit 80 % der zulässigen Stickstoffdüngung kann das Ertragsziel erreicht werden.

Standort und Bestandes abhängige N-Düngung zu Mais

Die DüV berücksichtigt die Nachlieferung aus dem Boden nur, wenn der Humusgehalt über 4 % liegt. Tatsächlich aber sind die Schwankungen des Nmob von Boden zu Boden oder auch witterungsbedingt so hoch, dass sie bei der Düngekalkulation berücksichtigt werden müssen. Das erfordert aber auch, dass wir mit der Stickstoffdüngung reagieren können müssen.

Ausblick

Die Wintergerste büßt mit der neuen DüV zusätzlich Anbauwürdigkeit ein. Abzuwarten bleibt vorerst wie stark die Lücken im Pflanzenschutz auf die Ertragssituation durchschlagen. Regional ist aber wohl mit einem Verschwinden der Gerste aufgrund der Unkontrollierbarkeit von Ramularia zu rechnen. Auf den übrigen Standorten wird sie ihren festen Platz in den Fruchtfolgen behaupten, wenngleich nicht unbedingt aus eigener Kraft, sondern weil die möglichen Alternativen frühreifer Stoppelweizen oder Erbsen ebenfalls keine „Top-Performer“ sind.

VERMARKTUNG

Körnermais erzielt hohe Aufschläge

Die Körnermaisernte startete mit einem Paukenschlag ins Jahr 2020. Eine knapp versorgte Mischfutterindustrie zahlt hohe Prämien für die Sofort-Lieferungen. Denn Futterweizen fehlt, sodass Mais die Lücke in den Mischungen schließen könnte