Pflanzenbauhinweise

Kartoffel

Kartoffeln – Erfolgsfaktoren im System!

Max Erath, N.U. Agrar GmbH

Nach zwei Jahren mit steigender Anbaufläche und unterdurchschnittlichen Erträgen kommt in 2020 der Kartoffelanbau in Deutschland nicht nur durch die Corona Pandemie stark unter Druck. Am stärksten trifft es die Erzeuger von Kartoffeln für die Pommes Herstellung, aber auch der Absatz von Chips leidet unter den Auswirkungen der Corona Pandemie. Der Speisekartoffelsektor hat zu Anfang des Jahres von der Pandemie profitieren können. Jedoch genügt die geerntete Qualität in vielen Regionen nicht den Ansprüchen des LEH, was die Vermarktungsfähigkeit einschränkt. Die steigenden Produktionskosten durch Sikkation und Keimhemmung finden sich in den Produktpreisen nicht wieder, demgegenüber stehen rückläufige Erträge aufgrund klimatischer Veränderungen und diversen Krankheiten.

Ausgangssituation für 2021

Trotz oftmals höherer Erntemengen als in vorangegangenen beiden Jahren konnten viele Bestände ihr Ertragspotenzial nicht ausschöpfen. Die Bestände gingen vorzeitig in die Abreife, dies lag aber nicht wie oftmals vermutet am mangelnden Stickstoffangebot, sondern vielmehr an diversen Fußkrankheiten, einer begrenzten Phosphorverfügbarkeit und der geringen Magnesiumaufnahme vieler Sommerungen.

Bodenstruktur, Pflanzgutqualität und Fruchtfolge als Erfolgsfaktoren im System! Die Kartoffelerträge sind die letzten 10 Jahre deutschlandweit rück-läufig, dies liegt neben der steigenden Temperatursumme in der Ve-getation auch an der Struktur des Bodens, der Qualität des Pflanz-gutes, sowie der Stellung der Kartoffel in der Fruchtfolge.

Neben der immer höheren mechanischen Beanspruchung der Böden verändert sich das Wetter in den letzten Jahren sehr zügig, dies wirkt sich negativ auf die Struktur des Bodens aus. Fehlende Winterfröste und verstärkte Niederschläge in der vegetationsfreien Zeit verringern die Strukturstabilität vieler Böden.

Die Qualität des Pflanzgutes leidet ebenfalls durch die höhere Tem-peratursumme in der Vegetation. Zusätzlich negativ auf die Qualität wirken hier noch die Einschränkungen der insektiziden Wirkstoffe und der Wegfall des Sikkationsmittels Reglone.

Aufgrund des wirtschaftlich hohen Stellenwerts der Kartoffel auf den oftmals spezialisierten Betrieben, ist die Anbauintensität in den Gunstregionen bereits in den letzten Jahren auf einem hohen Niveau. Sodass Anbaupausen von 3 Jahren oder mehr in den intensiven Kartoffelregionen nur eine Wunschvorstellung sind.

In den vergangenen drei schwierigen Jahren im Kartoffelanbau hat sich gezeigt, dass jene Bestände, welche mit einer guten Bodenstruktur, in einer weiten Fruchtfolge mit einem gesunden und vitalen Pflanzgut stehen, die Kartoffelbestände sind, die in Stressphasen am längsten durchhalten.

Wie wirkt sich die neue DüV auf die Kartoffel aus?

Stickstoff ist in der Kartoffelproduktion in den seltensten Fällen der ertragsbegrenzende Faktor. Das gilt unter bestimmten Voraussetzungen selbst für die mit 20% N-Abschlag belegten „Roten Gebiete“.

Wieviel Stickstoff braucht die Kartoffel?

Der N-Entzug der Knollen ergibt sich aus dem Ertrag, dem TS-Gehalt der Knollen und der N-Knollenkonzentration (Annahme 1,4 % N). Zu-sätzlich wird Stickstoff für den Aufbau des Blattapparates benötigt, je nach Entwicklung schwankt der Bedarf zwischen 80 bis 120 kg N/ha je nach Verwertungsrichtung und Aufwuchs. Davon können jedoch bis zu 60 % des Kraut-N umgelagert werden und stehen somit für das Knollenwachstum zur Verfügung.

Eine Pommeskartoffel (Fontane) mit einem Ertrag von 650 dt/ha und einem TS-Gehalt von 24 % (16 % Stärke) entzieht ca. 220 kg/ha N. (650 dt x 24 % TS x 1,4 % N in der Knolle). Im Kraut „stecken“ überschlägig 120 kg N (50 dt Kraut x 2,4 % N im Kraut). Vom Blattstickstoff werden im Zuge der Abreife 60 % umgelagert und stehen somit dem Knollenwachstum zur Verfügung (220 kg/ha + 120 kg/ha – 70 kg/ha = 270 kg/ha).

Der Bedarf der Pflanze beläuft sich demnach auf 270 kg/ha N. Hinzu kommt der „Bodenzuschlag“ (=Residual-N), der in Abhängigkeit der Bodenart zwischen 30 und 70 kg/ha N betragen kann. Für einen schluffigen Lehmboden (uL) sind 60 kg/ha N anzusetzen, sodass sich der N-Gesamtbedarf auf 330 kg/ha N summiert. Diese Summe muss durch den zu Beginn der Vegetationsperiode bereits mineralisierten N (Nmin), den während der Vegetation mobilisierten N (Nmob) sowie die organische bzw. mineralische Düngung zur Kultur bereitgestellt werden.

Veränderte Ausgangssituation

Bei der Stickstoffkalkulation im Kartoffelanbau müssen die sich ändernden Witterungsbedingungen der letzten Jahre berücksichtigt werden. In den vergangenen 10 Jahren wurden die Winter in Mitteleuropa immer kürzer, bzw. beschränkten sich auf wenige intensive Frosttage. Dadurch wird auch die Vegetationsruhe kürzer. In der Literatur wird per Definition ab Bodentemperaturen nachhaltig unter 5 °C von einer Vegetationsruhe ausgegangen. Diese vegetationsfreie Zeit wurde in den letzten Jahren immer kleiner.

Aufgrund der kürzeren Vegetationsruhe, kommt die Mineralisation im Boden nur noch für kurze Zeit völlig zum Stillstand. Dadurch kann über Winter längere Zeit Nettomineralisation stattfinden. In der Folge kommt es oftmals zu höheren Nmin-Werten im Frühjahr. Durch diese höheren Nmin-Werte kann aber nicht direkt auf eine reduzierte Düngung zur Kartoffel geschlossen werden, da das Potenzial der N-Nachlieferung eines Standorts in einer Vegetationsperiode begrenzt ist.

Keine Kompromisse bei der Bodenstruktur

Vom gesamten Stickstoffgehalt der Ackerkrumme, (Ngesamt) mineralisieren während der Hauptmineralisation von Mai bis September etwa 2 %. Die daraus resultierende Menge an Nmob variiert standortbezogen sehr stark (0,08 - 0,22 % Nges => 70 - 200 kg/ha Nmob).

Die Untersuchung der Parameter, Ngesamt sowie des C/N-Verhältnis können mit einer erweiterten Grundbodenuntersuchung analysiert werden. Dadurch lassen sich verlässliche Aussagen über die potentielle Nachlieferung anstellen.

Die potentielle Nachlieferung eines Standorts ist stark von der Bodenstruktur abhängig. Unter ungünstigen Strukturbedingungen aufgrund zu feuchter Bearbeitung, Verdichtungshorizonten in der Krume oder Kluten im Damm kann die Nachlieferungsleistung des Standorts auf nur 1 % des Nges zurückgehen.


Standortabhängige N-Düngung in Kartoffeln 2021

Auf allen der gewählten Beispielstandorte können die Vorgaben der Düngeverordnung problemlos eigehalten werden. Voraussetzung dafür ist eine intakte Bodenstruktur, welche eine konstante Nachlieferung gewährleistet. Wird dies nicht erreicht, müssen Abschläge vom Nmob gemacht werden. Hier mit der Annahme, dass die Bodenstruktur zu 25 % weniger Nachlieferungsleistung führt.

Ausblick

Die Vorgaben der Düngeverordnung stellen für den Kartoffelanbau in Zukunft keine Einschränkung dar. Um qualitativ hochwertige Kartoffeln zu erzeugen ist eine intensive Bodenbearbeitung ohnehin un-abdingbar. Dies wird in Anbetracht der Nachlieferungsleistung der Standorte in Zukunft stärker in den Fokus rücken. Eine hohe Temperatursumme, Infektionen auf dem Pflanzgut und fruchtfolgebedingte Krankheiten sind in vielen Beständen stärker ertragsbegrenzend als die Stickstoffversorgung.

VERMARKTUNG

Absatz wichtiger Kartoffelprodukte fehlt

Als Konsequenz aus den kleinen Ernten der Dürrejahre 2018 und 2019 ist die Kartoffelanbaufläche in Deutschland ausgedehnt worden.