Pflanzenbauhinweise

Grünland

Grünland – Ohne Ausnahmen geht’s abwärts

Gerrit Hogrefe, N.U. Agrar GmbH

Im Schatten der intensiven und teils hitzigen Diskussionen um die Auswirkungen der Düngeverordnung auf den Ackerbau, sind spätestens mit der erneuten Novelle in diesem Jahr auch für das Grünland handfeste Probleme erwachsen. Besonders in den „Roten Gebieten“ dürfte es durch die Abschläge in der Düngung schwierig werden qualitativ hochwertiges Grundfutter in ausreichender Menge zu erzeugen. Diese zusätzlichen politischen Hürden gesel-len sich derzeit zu einer ohnehin angespannten pflanzenbaulichen Lage.

Ausgangssituation für 2021

Das Jahr 2018 wird den Futterbaubetrieben noch länger in Erinnerung bleiben. Die andauernde Dürre hat große Löcher in die Grundfutterreserven gerissen, die meist nur durch Zukauf oder alternativen Stroheinsatz gestopft werden konnten. Auch 2019 eignete sich kaum, um die Vorräte wieder aufzufüllen oder gar ein Polster zu schaffen. Nach einem auskömmlichen ersten Schnitt, schlug wiederholt die Trocken-heit zu. Zudem setzte die anwachsende Mäusepopulation den Beständen zu. Regional waren Umbrüche und Neuansaaten notwendig, um wieder eine leistungsfähige Narbe herzustellen. Vereinzelt traten auch Tipula-Larven auf. Die Grünlandbestände waren in den vergangenen zwei Jahren damit regelrechtem Dauerstress ausgesetzt. Mit der geplanten Mangelernährung durch die DüV folgt die nächste Belastungsprobe.

Wie wirkt sich die neue DüV auf das Grünland aus?

Das Grünland wird in vielerlei Hinsicht von der novellierten DüV berührt.

  1. Düngemittel mit „wesentlichem Gehalt an Stickstoff“ (> 1,5 % N in der TM) dürfen vom 01.11. bis 31.01. auf Grünland nicht ausgebracht werden.
  2. Für Festmist von Huf- und Klauentieren, Kompost und P-Dünger gilt eine Sperrfrist vom 01.12. bis 15.01.
  3. Eine Düngung auf gefrorene, schneebedeckte oder wassergesättigte Böden ist verboten.
  4. Wie im Ackerland ist eine Düngemaßnahme bis 2 Tage nach der Applikation zu dokumentieren.
  5. Die Herbstdüngung (ab 01.09. bis zu Beginn der Sperrfrist) wird auf 80 kg/ha Gesamt-N beschränkt.

Zusatzregelungen in „Roten Gebieten“ Speziell in den „Roten Gebieten“ gelten einige zusätzliche Regeln. So muss wie im Ackerland ein 20 %-iger N-Abschlag vom errechneten Düngebedarf vorgenommen werden. Weiterhin ist die 170 kg/ha N Grenze für organische Dünger nicht nur im Mittel der Schläge, sondern schlagspezifisch einzuhalten. Die Herbstdüngung (01.09. bis zur Sperr-frist) ist auf 60 kg/ha Gesamt-N zu reduzieren. Vom 01.10. bis 31.01. darf keine Düngung auf Grünland erfolgen. Damit beginnt die Sperrfrist in „Roten Gebieten“ einen Monat früher.

Entscheidend wird sein, ob auf Landesebene Ausnahmen vom 20 % N-Abschlag zugelassen werden. Dies soll grundsätzlich möglich sein, wenn „der Anteil von Dauergrünlandflächen an der Gesamtfläche der jeweiligen ausgewiesenen Gebiete insgesamt 20 Prozent nicht überschreitet und nachgewiesen ist, dass durch die Ausnahme keine zusätzliche Belastung der Gewässer durch Nitrat zu erwarten ist“.

Diese Einschränkung schließt insbesondere traditionelle Grünland-Re-gionen mit meist intensiver Milchviehhaltung aus. Einbußen in Quantität und Qualität des Grundfutters sind vorprogrammiert. Hier bedarf es dringend weitgehender Ausnahmeregelungen auch für Regionen mit hohem Grünlandanteil. Ansonsten sind die erforderlichen hohen Milchleistungen aus dem Grundfutter nicht zu bewerkstelligen.

Wieviel Stickstoff braucht das Grünland?

Der N-Bedarf des Grünlands errechnet sich aus TM-Ertrag und Rohproteingehalt. Bei 4-Schnittnutzung mit einem TM-Ertrag von 90 dt/ha und einem RP-Gehalt von 17 % werden 15,3 dt/ha RP „geerntet“. Um den darin enthaltenen Stickstoff zu kalkulieren, muss die Rohproteinabfuhr durch 6,25 dividiert werden. Rechnerisch ergeben sich in diesem Beispiel exakt 244,8 kg/ha N.

Von diesem N-Bedarf wird 10 % des im Vorjahr aufgebrachten Gesamt-N aus organischer Düngung als Nachlieferungsleistung in Abzug gebracht. In diesem Fall wird mit der maximal möglichen N-Menge aus Organik von 170 kg/ha N kalkuliert. Dementsprechend sind 17 kg/ha N zu subtrahieren. Für Böden bis 8 % Humus gilt ein pauschaler Abschlag von 10 kg/ha N für die Nachlieferung aus dem Bodenhumus. Je nach Leguminosenanteil (im Grünland meist Klee) müssten weitere Abschläge vorgenommen werden.

Bei den „Nachlieferungen“ sind vor allem die hohen Abschläge bei hohen Humusgehalten kritisch zu bewerten. Das zeigt der folgende Standortvergleich. Auf Niedermoorböden müssen laut Düngeverordnung 80 kg/ha N abgezogen werden. Bei maximaler, organischer Düngung aus dem Vorjahr und geringem Kleeanteil dürften dann nur noch 103 kg/ha N gedüngt werden. Unterstellt man eine Rindergülle mit 3,7 kg/m³ Gesamt-N und die volle Ausnutzung der 170 kg N-Grenze, so dürfen 45 m³/ha Rindergülle aus-gebracht werden. Bei 50 % Anrechenbarkeit im Rahmen der Düngebedarfsermittlung müssen dafür 83 kg N angerechnet werden. Es verbleiben lediglich 19 kg N, die noch durch Mineraldünger ergänzt werden dürfen. Ab 2025 steigt die Anrechenbarkeit der Rindergülle auf 60 %. Dann müssen 100 kg N in der Düngebedarfsermittlung angerechnet werden. Für Mineraldünger wäre dann kein Platz mehr. Aufgrund des großen Einflusses des Humusgehaltes auf die N-Abschläge ist es auch im Grünland geboten die Intensität der Bodenbeprobung zu erhöhen. Neben dem Humusgehalt sollte dann auch der Gesamt-N im Boden (Ntotal) ermittelt werden. Hohe Humusgehalte sind nämlich nicht zwangsläufig mit hoher N-Nachlieferung verbunden. Hohe Kohlenstoffgehalte (= Corg = Humusgehalte/1,72) können auch auf mittlere Ntotal-Werte treffen. Das daraus resultierende weite C/N-Verhältnis (> 14:1) hat eine geringe Nachlieferungsdynamik zur Folge.


Standortabhängige Stickstoffdüngung 2021

Die Düngung erfolgt in den intensiven Grünlandregionen meist über eine Kombination aus Rindergülle und mineralischer Ergänzung. Bei einer durchschnittlichen Rindergülle sind rund 45 m³ pro ha und Jahr möglich (170 kg N-Grenze). Die Organik fällt in einer solchen Konstellation sinnvollerweise zum ersten, zweiten und vierten Schnitt. Zum ersten Schnitt sollte zudem ein schwefelhaltiger mineralischer Stickstoffdünger ergänzt werden, um die N-Ausnutzung zu erhöhen und der erst spät einsetzenden Schwefelmineralisation Rechnung zu tragen. Der Rest der noch möglichen mineralischen Stickstoffdüngung erfolgt dann zum dritten Schnitt.

Die extensiveren 3-Schnittnutzungen bringen Organik jeweils anteilig zum ersten und dritten Schnitt. Auch hier wird der erste Schnitt mineralisch ergänzt. Zum zweiten Schnitt wird ausschließlich mineralisch gedüngt.

Ausblick

Der Umgang mit dem 20 % N-Abschlag in den „Roten Gebieten“ wird weitreichende Folgen für die Futterbaubetriebe in diesen Regionen haben. Bleiben weitreichende Ausnahmeregelungen aus, steht die in-tensive Grünlandwirtschaft infrage. Für die Betriebe gilt es aber auch ihre Hausaufgaben zu machen und die Informationsdichte über die Grünlandbestände zu erhöhen, um gegebenenfalls ungerechtfertigte Abschläge zu vermeiden.

VERMARKTUNG

Kaum Futterreserven vorhanden

Nach 2018 und 2019 ist 2020 das dritte Jahr, in dessen Verlauf zahl-reiche Betriebe im Frühjahr mit ausgeprägter Trockenheit zu kämpfen hatten – entsprechend durchwachsen fällt die Erntebilanz auf dem Grünland in diesem Jahr aus.